Wie am besten mit der SCD anfangen?

Wie am besten mit der SCD anfangen?

Am 5. Oktober gab es für mich etwas zu feiern: Ein ganzes Jahr SCD! An dem Tag vor einem Jahr habe ich mit ganz viel Motivation und ohne großen Plan meine Ernährung umgestellt. Ein Jahr ist vorbei und ich bin so froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.

Aber immer wieder bekomme ich mit, dass viele sich nicht trauen diesen Schritt zu gehen. Sie fürchten, dass sie nur noch mit Kochen beschäftigt sind, ausgegrenzt sein werden, weil sie nicht mehr alles essen können, oder es überhaupt nicht schaffen, diese Diät durchzuhalten. Wenn du noch ganz am Anfang stehst oder noch gar nicht mit der Diät angefangen hast, gehen dir bestimmt ähnliche Gedanken auch durch den Kopf. Du zweifelst. Diese ganze Kocherei und dieser viele Verzicht – lohnt sich das überhaupt? Und wie sollst du am besten anfangen? Wie dranbleiben?

Eins kann ich schon mal vorweg nehmen: Es gibt nicht das eine Patentrezept, das ich jetzt hier aufschreiben werde, und du es einfach nur noch umzusetzen brauchst. Es wird dauern, dich an die neue Ernährung und an die Änderungen im Alltag zu gewöhnen. Aber mit diesem Beitrag möchte ich von meinen Erkenntnissen nach einem Jahr SCD berichten und hoffe, dass du etwas davon für deine Ernährungsumstellung mitnehmen kannst.

Cheat Days: Ist schummeln erlaubt?

Bei all den fancy Diätkursen, die dir online erklären, wie du abnehmen kannst, ist immer wieder die Rede von einem Cheat Day (oder auch Load Day genannt). Da darfst du an einem Tag mal alles in dich hineinschaufeln, worauf du an den sechs anderen Tagen in der Woche verzichten musstest. Der Sinn und Zweck dieses Cheat Days ist, dass er dir erleichtern soll, die Diät durchzuhalten. Funktioniert das nun bei der SCD auch?

In den ersten drei Monaten auf der SCD aß ich auch einige Male Gerichte und Lebensmittel, die nicht erlaubt sind. Das lag hauptsächlich daran, dass meine Planung schlecht war und ich nicht genug Essen dabei hatte, wenn ich unterwegs war oder in die Arbeit ging und somit bei Hunger schwach wurde. Eine Zeitlang machte mein Darm das (mehr oder weniger gut) mit und ich hatte keine lang andauernden Beschwerden. Das ist eigentlich ziemlich gemein, denn dann denkst du, du könntest dir diese Schummelei erlauben. Aber dann bekam ich doch wieder einen Schub und wusste, dass Cheat Days nichts bringen.

Meiner Meinung nach ist Hunger der größte Feind bei einer Ernährungsumstellung. Sorge vor und plane, was du essen willst und wie viel du für die Arbeit/Uni/Schule brauchst. Wenn du zu Feiern eingeladen wirst, kläre ab, ob es dort was für dich zu essen gibt. Kann man etwas für dich zubereiten? Oder ist es am einfachsten, wenn du dein eigenes Essen mitbringst?

Auf diese Weise kannst du Cheat Days oder „Schummelmahlzeiten“ vermeiden. Denn Cheat Days funktionieren nicht bei der SCD. Das falsche Essen wirft dich in deinem Heilungsprozess nur zurück und kann – wie in meinem Fall – sogar einen Schub auslösen. Wie du durch Vorplanung deinen Alltag mit der SCD erleichterst, habe ich versucht in meinem Beitrag SCD und Zeitmanagement: Der Essensplan aufzuzeigen. Dort kannst du dir auch die Vorlage für einen Wochenplan herunterladen.

Tausche dich mit anderen SCDlern aus

Klar wäre es ideal, wenn dich ein Arzt oder Ernährungsberater bei der SCD begleiten könnte und mit ganz vielen Tipps und Ratschlägen zur Seite steht. Nur leider sieht die Realität im deutschsprachigen Raum anders aus. Ich habe noch keinen Arzt (oder Ernährungsberater) gefunden, der

a) diese Diät kennt (oder sich mit ihr auseinandersetzen möchte) und

b) ihr gegenüber aufgeschlossen ist und

c) sich Zeit für mich nimmt, mir zuhört und mich ernst nimmt.

Wenn du das Glück hast, einen solchen Arzt gefunden zu haben – herzlichen Glückwunsch. Wenn nicht, ist das auch kein Beinbruch. Bleib bei deinem jetzigen Arzt, nimm weiterhin deine Medikamente ein, wenn du sie brauchst, und starte mit der Diät als ergänzende Heilmethode. Bei Unsicherheiten und Fragen wendest du dich am besten an andere SCDler. Und wo findest du die? Bei Facebook zum Beispiel.

Es gibt meistens jemanden, der irgendetwas weiß und deine Fragen beantworten kann. Du siehst also: Du bist nicht allein.

Mache die Intro-Diät

Dieser Schritt ist vielleicht einer der wichtigsten bei der Ernährungsumstellung und du solltest die Intro-Diät auf keinen Fall überspringen. Stelle sie dir einfach als Startpunkt in dein neues Leben vor. Sie wirkt wie ein „Reset“ für deinen Darm. Alles Wichtige zur Intro-Diät findest du in dem FAQ Intro-Diät.

Nach der Intro-Diät solltest du langsam vorgehen und dich nicht auf alle Lebensmittel stürzen, die bei der SCD erlaubt sind. Denn bloß, weil etwas erlaubt ist, heißt es nicht, dass du es verträgst.

Fange mit gut durchgekochtem und geschältem Gemüse und Obst an. Sei bei Nüssen und Samen vorsichtig. Eine Orientierung, welche Lebensmittel du nach der Intro-Diät langsam wieder in deinen Speiseplan einführen solltest, bietet der Phasenplan von pecanbread.com.

Wann solltest du mit der Ernährung beginnen?

Jeder ist anders. Wenn du gerne planst, dann plane doch auch den Beginn der Ernährungsumstellung und lege ihn am besten in eine Zeit, wo du wenig Stress hast. Fange dann z.B. während eines Urlaubs an. So hast du Zeit zum Kochen, erholen und ausruhen und kannst die Änderungen besser beobachten.

Es gibt auch diejenigen, bei denen der Leidensdruck sehr hoch und die in der Diät ihre letzte Rettung sehen. Wenn du hochmotiviert bist und am liebsten sofort anfangen möchtest, dann mach das. Nichtsdestotrotz würde ich auch am besten mit einem Wochenende für die Intro-Diät anfangen.

Betrachte deine Krankheit als Chance und nicht als Hindernis

Egal, ob du unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, Reizdarm oder chronischem Durchfall leidest: Sieh deine Krankheit nicht als Hindernis sondern als Chance für ein bewussteres Leben. Bei Darmproblemen ist es nun mal wichtig, was wir essen (auch wenn viele gerne etwas anderes behaupten). Chips, Burger, Schockolade und Co. tun uns leider einfach nicht gut. Es ist nicht nur die Laktose oder das Gluten, das dir Beschwerden bereitet. In den allermeisten Fällen sind es ganze Lebensmittelgruppen. Die SCD kann dir dabei helfen, diese zu identifizieren. Aber: Du musst lernen bewusster zu essen und genau zu dokumentieren, wie es dir nach jedem Essen geht.

Nach einer Weile wird sich diese Achtsamkeit auch auf andere Bereiche deines Lebens übertragen: Du wirst merken, was dich stresst und was dir gut tut. Du wirst bewusster atmen, schlafen, auf dich selbst hören und achten.

Glaub an dich und gehe deinen Weg zur Heilung

Es gibt nicht den einen Weg für jede Person. Meine Art ist es, sich hineinzustürzen, auszuprobieren und dann nachzujustieren. Vielleicht planst du lieber alles genau durch und möchtest alle Details dieser Diät im Voraus wissen, bevor du dich auf dieses Abenteuer einlässt? Wie auch immer du am liebsten vorgehst, es gibt kein richtig oder falsch.

Gehe deinen Weg und glaube an dich. Jeder Weg ist anders und individuell. Höre nicht auf Ärzte, die sagen, diese Diät sei quatsch und nicht erwiesen – es gibt genug Patienten, denen sie geholfen hat. Höre nicht auf andere, die nicht in deiner Haut stecken und dir sagen, dass du es nicht schaffen kannst. Bei den ersten Erfolgen wirst du automatisch dran bleiben wollen. Rückschläge oder Cheat Days bedeuten nicht, dass du versagt hast. Das zeigt dir nur, wo du noch besser planen musst und in welchen Situationen du eben leichter schwach wirst.

Bleibe geduldig und zuversichtlich. Bei manchen kommen die ersten Erfolge sehr schnell, bei anderen dauert es etwas länger. Hole dir Rat in den SCD-Gruppen – du bist nicht alleine.

Am allerwichtigsten ist, dir Zeit zu lassen! Eine Ernährungsumstellung muss sich manifestieren – im Kopf, im Alltag und im Bauch.

Noch mehr Tipps

Für das tolle Projekt Food Movement durfte ich ebenfalls von meinem ersten Jahr mit der der SCD berichten: Mein Patentrezept für eine Ernährungsumstellung? Learning by Doing! Dort gibt es noch ein paar Tipps für die Ernährungsumstellung.

Falls du noch Fragen oder einen ganz besonders guten Tipp für die Ernährungsumstellung hast, schicke mir gerne eine Nachricht oder hinterlasse einen Kommentar.