Was ist SCD?

Was ist SCD?

Wenn du auf dieser Seite gelandet bist, dann suchst du nach einer Lösung für deine Darmprobleme. Die Spezielle Kohlenhydrat-Diät, kurz SCD genannt, hilft dabei, verschiedene Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, Blähungen und übelriechende Gase, Blut im Stuhl, Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen. Erfahre mehr über diese spezielle Ernährung und wie sie dir auf deinem Weg und deiner Suche nach Heilung helfen kann.

Was ist SCD?

SCD ist die englische Abkürzung für Specific Carbohydrate Diet, zu Deutsch Spezielle Kohlenhydrat-Diät. Dabei handelt es sich um eine reizarme Ernährung aus

  • Gemüse,
  • Obst,
  • Honig,
  • Fleisch, Fisch und Eiern,
  • selbstgemachtem Joghurt und bestimmten Käsesorten, und
  • Nüssen und Samen.

Sie ist frei von Gluten, Laktose, Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln und entlastet den gereizten und entzündeten Darm und ist ausgewogen. Das Genießen kommt dabei trotzdem nicht zu kurz, auch wenn man sich das aufgrund der in unseren Köpfen eingemeißelten Definition von Genuss (Kuchen, Torten, Pizza, Pasta, Chips, etc.) am Anfang überhaupt nicht vorstellen kann.

Mit der SCD wirst du deinen Darm regenerieren können, den Teufelskreis, der sich in deinem Verdauungstrakt abspielt, durchbrechen und zu neuen Lebenskräften und Vitalität gelangen.

Für wen ist die SCD geeignet?

Du bist hier richtig, wenn du unter folgenden Darmproblemen oder Krankheiten leidest:

Auch bei Autismus und Schizophrenie soll die SCD helfen können, denn es wird immer deutlicher, dass der Darm einen großen Einfluss auf den gesamten Körper hat. Die englischsprachige Seite Pecanbread.com – Kids&SCD ist eine umfangreiche Fundgrube für Eltern mit autistischen Kindern, die die Ernährung ihrer Kinder auf die Spezielle Kohlenhydrat-Diät umgestellt und damit Erfolge erzielt haben.

Bereits Hippokrates erkannte vor mehr als 2000 Jahren:

„Alle Krankheiten beginnen im Darm.“

So ist es nicht verwunderlich, wenn durch eine Ernährungsumstellung auf die Spezielle Kohlenhydrat-Diät nicht nur deine Darmprobleme verschwinden, sondern auch eventuell neurologische und psychische Symptome gelindert werden oder vergehen. Auch Elaine Gottschall, die den Namen dieser Diät geprägt hat, hatte beschrieben, dass bei ihrer Tochter Judy bereits wenige Tage nach der Ernährungsumstellung eine Linderung der neurologischen Symptome eingetreten war und diese nicht mehr wieder kamen.

Wie ist die SCD entstanden?

Zwei Personen haben diese Diät maßgeblich geprägt: Dr. Sidney Haas und Elaine Gottschall.

Dr. Sidney V. Haas (1870 – 1964)

Der amerikanischen Arzt Dr. Haas veröffentlichte 1951 mit seinem Sohn Dr. Merrill P. Haas ein Buch namens Management of Celiac Disease*, in dem er nach langjähriger klinischer Erfahrung seine Ernährungstherapie von Zöliakie und zystischer Pankreasfibrose vorstellte. Er hatte erkannt, dass es bei diesen Patienten nicht ausreichte, nur glutenhaltige Nahrungsmittel aus der Ernährung zu streichen. Es komme auf die Art der Kohlenhydrate an. Seine Patienten durften keine Laktose, keine Stärke, keine Zucker und keine Art von Getreide essen.

Mit seiner Bananendiät, wie die Spezielle Kohlenhydrat-Diät unter seinen Patienten gerne genannt wurde, half er vielen Kindern und Erwachsenen, die als unheilbar krank galten. In hunderten von Fällen konnten diese Patienten nach einem Jahr Diät eine normale Ernährung wieder aufnehmen und dauerhaft symptomfrei leben.

Dr. Haas verstarb 1964 und es ist Elaine Gottschall zu verdanken, dass seine Erkenntnisse nicht mit seinem Tod in Vergessenheit gerieten.

Elaine Gottschall (1921 – 2005)

Ende der 1950er Jahre suchte die verzweifelte Elaine Gottschall mit ihrer damals achtjährigen Tochter Judy Dr. Haas Praxis auf. Judy litt unter Colitis ulcerosa, die Medikamente schlugen nicht an. Die Eltern suchten Arzt um Arzt auf, doch von allen hörten sie immer nur, dass eine Operation unausweichlich sei und die Ernährung nichts an Judys Gesundheitszustand ändern würde.

Elaine und ihr Mann Herb wollten sich damit aber nicht abfinden. Ihre letzte Hoffnung legte Elaine also in Dr. Haas, dessen Kontaktdaten sie von einer Freundin erhalten hatte. Er war damals bereits um die 90 Jahre alt, als sie ihn das erste Mal mit ihrer Tochter besuchte. Nachdem er Judy untersucht hatte, war das erste, was er Elaine fragte: „Was isst dieses Kind eigentlich?“ Sie war erstaunt, denn das hatte sie zuvor noch keiner der Ärzte gefragt.

Die Ernährung von Judy wurde auf Dr. Haas spezielle Bananendiät umgestellt und bereits nach zehn Tagen waren ihre neurologischen Symptome (krampfartige Anfälle kurz nach dem Einschlafen) verschwunden und traten auch nicht mehr auf.

Innerhalb eines Monats wurden Judys Darmprobleme besser und sie wuchs wieder. Elaine Gottschall schrieb, dass ihre Tochter nach zwei Jahren der Diät symptomfrei war. Einige Jahre später stellten sie die Ernährung wieder auf normal um und ihre Tochter, heute eine Erwachsene Frau, erfreut sich noch immer bester Gesundheit.

Da Dr. Haas kurze Zeit nach Beginn der Therapie von Judy verstarb und Elaine Gottschall Sorge hatte, dass diese Diät mit seinem Tod in Vergessenheit geraten würde, machte sie sich daran, die Mechanismen dahinter besser zu verstehen und schrieb sich, auch auf Anraten ihres Mannes, mit 47 Jahren an der Universität ein. Sie studierte Biologie, Zellbiologie und Ernährungs-Biochemie. Elaine wollte verstehen, was sich da im Darm abspielte und wie die Lebensmittel, die einem gereizten und entzündeten Darm gut tun bzw. schaden, aufgebaut sind. So erkannte sie, dass es sich um einen komplexen Teufelskreis handelte, den man durch den lapidaren Rat vieler Ärzte, nämlich „Finden Sie selbst heraus, was Ihnen gut tut“, nicht von alleine durchbrechen kann.

Aber genau wie Dr. Haas (und viele andere Ärzte davor) stieß Elaine mit ihren Erkenntnissen auf taube Ohren. Sie wurde nicht sonderlich ernst genommen. In der klinischen Praxis wurde und wird weiterhin überwiegend nur auf Medikamente gesetzt. Es sei doch lächerlich, dass man durch eine Diät seinen Gesundheitszustand heilen oder bessern könne. Doch hier muss ich noch einmal Hippokrates zitieren:

„Es gibt Krankheiten, die sich nur durch die richtige Ernährung heilen lassen können.“

Das hatte der gute Mann bereits vor mehr als 2.000 Jahren erkannt!

Aufgrund des Widerstands, den sie überall spürte, war Elaine enttäuscht und wollte schon aufgeben. Doch ihr Mann Herb lies das nicht zu. Er drängte sie, ein Buch zu schreiben, denn mit einem Buch erreiche man viel mehr Menschen. So veröffentlichte sie 1987 ihr Buch Food and the Gut Reaction, später nannte sie es Breaking the Vicious Cycle. Außerdem schlug er vor, sie solle mit einer Ernährungsberatung anfangen.

Es ist wohl nur ihr (und ihrem Mann als Unterstützung im Hintergrund) zu verdanken, dass die Diät in Nordamerika so bekannt ist. Viel mehr Ärzte kennen und empfehlen sie dort ihren Patienten weiter.

Elaine Gottschall verstarb am 5. September 2005 in Kanada.

Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Kommen wir nun zu dem Teil, der dich sicher am meisten interessiert. Wenn du dich auf diese Diät einlässt, was wirst du dann essen dürfen? Diese Liste habe ich Elaine Gottschalls Buch Diät bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa entnommen. Sie dient als Einstieg und Übersicht.

Gemüse Frisches oder tiefgefrorenes Gemüse ohne Zucker- oder Stärkezusätze
Früchte
  • Frisches, rohes, gekochtes, tiefgefrorenes oder getrocknetes Obst ohne Zuckerzusätze
  • Dosenobst nur, wenn es im eigenen Saft konserviert wurde und keine Zuckerzusätze enthält.
Proteine
  • Frisches und tiefgefrorenes Fleisch
  • Eier
  • Bestimmte Käsesorten und selbstgemachter Joghurt oder Quark
  • Dosenfisch in Öl oder Wasser
Nüsse Ja, aber erst, wenn es dem Darm wieder besser geht.
Getränke
  • Stilles Wasser und Mineralwasser
  • Tomaten- und Gemüsesaft (nur gesalzen)
  • Frisch gepresste Gemüse- oder Obstsäfte
  • Milchshakes aus selbstgemachtem Joghurt und Früchten
  • Pfefferminztee, schwacher schwarzer Tee oder schwacher Kaffee ohne Milch oder Sahne
Alkoholische Getränke
  • Trockener Wein
  • Gelegentlich Gin, Korn, Whisky, Wodka
Süßungsmittel Honig und Saccharin
Sonstiges
  • Scharfer Senf (da der keinen Zucker enthält)
  • Butter
  • Geschmacklose Gelatine

 

Welche Lebensmittel sind nicht erlaubt?

Gemüse und Hülsenfrüchte
  • Kein Dosengemüse
  • Alle Getreidesorten, so auch Reis
  • Aus Getreidesorten hergestellte Mehle und Brote
  • Kartoffeln, Kichererbsen, Sojabohnen und Bohnensprossen und noch einige andere, sehr stärkehaltige Lebensmittel
Proteine
  • Verarbeitete Fleischwaren (Aufschnitte, Salami, Würstchen, Schinken, Dosenfleisch)
  • Panierter Fisch und Dosenfischen
  • Bestimmte Käsesorten
  • Geräucherte Fisch- und Fleischwaren
Getränke
  • Milch (auch keine laktosefreie Milch; erlaubt ist nur Nussmilch ohne Zuckerzusätze)
  • Trockenmilchpulver
  • Kefir, Buttermilch, saure Sahne, gekaufter Joghurt, mit Enzymen versetzte Milch (laktosefreie Milch)
  • Sojamilch
  • Instanttee oder -kaffee
Alkoholische Getränke
  • Bier
  • Sherry, Kräuterlikör, Fruchtlikör, Weinbrand
Sonstiges
  • Backpulver
  • Schokolade und Kakao
  • Johannisbrotkernmehl
  • Brühen und Fertigsuppen
  • Zucker, Zuckerrüben-, Mais- oder Ahornsirup, Rohrzucker und alle Lebensmittel, die diese Zusätze haben
  • Fruktose- und Glukosesirup sowie Fruktose-, Glukose- oder Dextrosepulver
  • Margarine
  • Getreideersatz, wie zum Beispiel Amaranth

Wenn du ein spezielles Nahrungsmittel suchst, kannst du auch in der Lebensmittelliste nachschauen, ob es erlaubt ist oder nicht.


Nun hast du einen ersten Einblick in die Spezielle Kohlenhydrat-Diät erhalten. Doch vielleicht hast du jetzt noch mehr Fragen im Kopf als davor? Möchtest du es mal mit der Speziellen Kohlenhydrat-Diät versuchen? Vielleicht denkst du nun:

Wie geht es weiter?
Wo fange ich an?

SCD-Theorie

  1. SCD-Bücher
  2. Was ist der Teufelskreis und welche Rolle spielen die Kohlenhydrate bei der SCD?
  3. Gibt es Studien und Belege für die Wirksamkeit dieser Diät?

SCD Alltag und Umsetzung

  1. Mach die Intro-Diät! Dieser Schritt ist essentiell für deinen Heilungsprozess.
  2. Überlege dir, wie du das Kochen und die Essensvorbereitungen zeitlich handhaben möchtest. Ein Essensplan kann dabei helfen.
  3. Tipps für die Ernährungsumstellung: Wie am besten anfangen und gibt es ein Patentrezept?
  4. Führe ein Ernährungstagebuch.
  5. Baue Stress und Druck ab mit Entspannungsmethoden.

Quellen und Bildnachweis

Die Infos zu diesem Beitrag habe ich hauptsächlich aus diesen Quellen zusammengeschrieben:

  • Gottschall, E.: Diät bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
  • Reasoner, J., Wright, S.: SCD Lifestyle – Surviving to Thriving. Master the first 90 days of the Specific Carbohydrate Diet – Take Control of Digestive Diseases, Stop the Drugs and End Stomach Pain (hier gibt es weitere Infos zum Buch und die Möglichkeit, es zu kaufen)

Alle anderen Quellen sind direkt verlinkt.
Foto: Timur Saglambilek, über Pexels.com