Der lange Weg zur richtigen Diagnose und Heilung

Der lange Weg zur richtigen Diagnose und Heilung

Vielleicht bist du noch etwas skeptisch, ob die SCD wirklich helfen kann. Dann lies dir meine Geschichte durch. Viele Patienten mit Darmproblemen können Ähnliches berichten. Bis zur richtigen Diagnose können Jahre vergehen. Man fühlt sich schlecht, missverstanden und hilflos. Dabei könnte vieles so einfach sein.

Erste Krankheitssymptome

Meine Beschwerden fingen in der frühen Jugend an. Mit ungefähr 13 Jahren wurde bei mir eine Laktoseintoleranz festgestellt, doch selbst der Verzicht auf laktosehaltige Nahrungsmittel oder die Einnahme von Laktasetabletten brachte keine Besserung. Heute kaum vorstellbar, aber damals gab es die Vielfalt an laktosefreien Produkten, die heute im Supermarkt zur Auswahl stehen, noch nicht. Laktosefreie Milch fand man nur im Reform- und Bioladen. Als Jugendliche fiel es mir sehr schwer, Laktoseprodukte konsequent zu meiden und da die Tabletten auch nicht sonderlich halfen, kaufte ich sie irgendwann nicht mehr. Mit der Zeit erkannten die Milchproduktehersteller, dass der Bedarf an laktosefreien Produkten hoch ist, sodass die Auswahl immer größer wurde und ich auch gerne auf diese Waren zurückgriff in der Hoffnung, dass es mir besser gehen würde.

In meiner Jugend wurde ich in regelmäßigen Abständen von so heftigen Bauchschmerzen heimgesucht, dass ich mich mehrere Stunden vor Schmerzen krümmte und ständig erbrach. Dies passierte oft nachdem ich Mais oder Bohnen gegessen hatte. Einmal war es so schlimm, dass mich meine Eltern in die Notaufnahme brachten, weil wir dachten, es könne ja der Blinddarm sein. Doch dieser Besuch brachte nichts ans Licht. Von meiner damaligen Hausärztin bekam ich dann einen Reizdarm diagnostiziert. Die Hülsenfrüchte strich ich schon mal von meinem Ernährungsplan.

Diagnose Reizdarm

Die Erkenntnisse über das Reizdarmsyndrom haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Damals war die Diagnose eher stigmatisierend. Es hieß so viel wie: Dir fehlt nicht wirklich was, deine Beschwerden kommen nur vom Kopf und Stress her, da kann man nicht viel machen. Da ich immer dachte, dass ich keinen Reizdarm haben könne, dass ich ja auch Darmprobleme hatte, wenn ich nicht unter Stress litt und der Überzeugung war, dass diese heftigen Bauchschmerzen definitiv davon kommen mussten, dass mein Magen und Darm etwas nicht richtig verdauen können, war ich mit dieser Diagnose nicht besonders glücklich. Ich kann mich erinnern, nicht viel Hilfe oder Aufklärung zum Thema Reizdarm bekommen zu haben. Eine besondere Ernährung gäbe es nicht. Ich fühlte mich ziemlich alleine gelassen.

Mit Anfang 20 zog ich von daheim aus und fing an zu studieren. Die langen Studientage taten meiner Verdauung nicht gut. Ich litt am Ende des Tages immer unter einem starken Blähbauch. Außerdem hatte ich den Verdacht, unter einer Glutenunverträglichkeit zu leiden. Ich bekam Verdauungsprobleme nach Nudeln, Gnocchi und Gries, Müsli und bestimmten Brotsorten, vor allem dunkles Brot, ballaststoffreiches Brot und Vollkornbrot. Der Test war jedoch negativ. Doch ich strich auch diese Lebensmittel von meinem Ernährungsplan.

Ich forschte weiter und stieß auf Fruktoseunverträglichkeit. Könnte ja sein, dachte ich. Aber auch dieser Verdacht bestätigte sich nicht. Doch ich versuchte meinen Süßigkeitenkonsum einzuschränken und kaufte kein Naschzeugs mehr. Tütenessen, Tiefkühlpizza und sonstiges Fertigessen kam nicht mehr in den Einkaufswagen, denn das bekam mir auch nicht gut.

Aber auch das brachte nicht die erhoffte Linderung. Meine Symptome wechselten von lästig, zu schmerzhaft, zu erträglich und wieder zurück. Mein Stuhl war breiig-schleimig, mein Blähbauch jeden Tag da und es war für mich schon völlig normal, dass ich während und nach dem Essen Bauchkrämpfe bekam. Ich fand mich damit ab, dass das wohl so bleiben würde.

Ich hatte eine neue Hausärztin, ging jedoch nur zu ihr hin, wenn ich eine Erkältung hatte, und versuchte meine Darmprobleme selbst in den Griff zu bekommen. So lieh ich mir ständig Bücher aus der Bibliothek aus, unter anderem auch Köstlich Essen bei Reizdarm. Ich versuchte es mit der in diesem Buch vorgestellten Basisdiät, bei der ich mich drei Tage lang nur von Kartoffeln und Reis mit wenig Zucker oder Salz ernährte und dann nach und nach neue Lebensmittel dazu nehmen sollte. Ich fühlte mich etwas besser, leider hielt ich diese Diät nicht lange durch und verfiel wieder in meine alten Ernährungsmuster.

Diagnose Morbus Crohn

Im Frühjahr 2012 wurde ich wieder von sehr starken Bauchschmerzen und Krämpfe geplagt. Ich wollte essen, aber jeder Bissen, den ich runterschluckte, rief Schmerzen hervor. Das konnte kein Reizdarmsyndrom sein. Also machte ich auf eigene Faust einen Termin beim Gastroenterologen aus. Dabei kam nach meiner ersten Magen-Darm-Spiegelung die Diagnose Morbus Crohn heraus – das ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, kurz CED genannt. Es mag den ein oder anderen verwundern, aber die Diagnose nahm ich erst einmal positiv auf: Nach mehr als zehn Jahren der Ungewissheit hatte ich eine „richtige“ Diagnose, einen Beweis, dass meine Beschwerden nicht (nur) durch Stress oder die Psyche ausgelöst werden. Ich war damals optimistisch-naiv und dachte, jetzt kann man meine Beschwerden auch richtig therapieren. Es folgte die Standardtherapie: Cortison und Magenschutzmittel. Gegen den Eisenmangel bekam ich Infusionen, da ich wie viele CED-Patienten die Eisentabletten nicht vertrug. Eine spezielle Ernährung gäbe es nicht, versicherte mir mein Gastroenterologe. „Sie müssen schon selbst herausfinden, was Ihnen gut tut.“

Ich schluckte also brav die Tabletten. Erst nach ein paar Monaten stellte sich eine allmähliche Besserung meiner Darmbeschwerden ein, aber neue kamen hinzu. Ich war schlapp, müde, träge und energielos. Natürlich hatte ich ein paar Kilo zugenommen, während meine körperliche Fitness massiv abgenommen hatte. Nach fünf Treppenstufen war ich völlig aus der Puste. Ich erkannte mich selbst nicht mehr. Diese Symptome kamen wohl vom Vitamin-D-Mangel, der dann kurz danach festgestellt wurde.

Nach eineinhalb Jahren und einer Kontrollkoloskopie im Herbst 2013 durfte ich das Cortison wieder ausschleichen und beobachten, ob mein Zustand gut bleibt (Remission) oder sich wieder verschlechtert (Schub). Die Entzündung sei nur noch diskret vorhanden. Ich wurde aber mit der Botschaft nach Hause geschickt: „Wenn es schlimmer wird, kommen als nächstes Immunsuppressiva zum Einsatz.“

Es grauste mir bei dem Gedanken, Immunsuppressiva einnehmen zu müssen, vor allem da mein Arzt auch immer wieder betonte, dass ich ja kein so schlimmer Fall sei. Gibt es dann nichts dazwischen, fragte ich mich? Muss es gleich die Vorschlaghammermethode sein?

Ein weiteres Puzzleteil

Das Jahr 2014 brachte mir viel neue Erkenntnisse über Ernährung und meine Krankheit. Meine Mutter empfahl mir, doch wieder meine Hausärztin aus der Jugend aufzusuchen, bei der ich seit Jahren nicht mehr war. Sie hätte ein pflanzliches Mittel, das helfe. Ich tat das widerwillig, weil mein Vertrauen in diese Ärztin nach der jahrelangen Fehldiagnose Reizdarm nicht sonderlich groß war. Doch sie fragte mich, was ich esse – damals noch sehr viel Weißbrot, Milchprodukte, auch genügend Süßigkeiten, Kartoffeln und Reis. Und sie testete mich auf Candida, was sich bestätigte. Außerdem verschrieb sie mir Mutaflor – ein teures, aber bei mir sehr wirksames Probiotikum. Sie setzte mich auf eine Antipilzdiät und bat mich, Weißbrot zu streichen. Toast und Weißbrot waren für mich gefühlt die einzigen Brotsorten, die ich vertrug, und ein großer Bestandteil meiner täglichen Ernährung. Sie erklärte mir, dass Candida genau diese Stärke liebte und sich so besser im Darm verbreiten kann. So fing ich Anfang Januar 2014 mit der Antipilzdiät an, hielt mich auch streng an sie und nahm ein Antimykotikum.

Im Juni 2014 sollte unsere Hochzeit stattfinden und mein Mann wollte davor noch etwas abnehmen. Er schrieb sich zur gleichen Zeit für ein Diätprogramm ein, bei dem man kein Getreide egal welcher Art, kein Obst, keine Milchprodukte und auch keinen Zucker essen darf. Dafür viele Hülsenfrüchte, Gemüse und Proteine. Nach der dreiwöchigen Antipilzdiät machte ich bei seiner Diät einfach mit. Ich wollte zum einen die Kilos, die während der Cortison-Therapie drauf gekommen sind, wieder abnehmen und zum anderen nicht gleich wieder in alte Essgewohnheiten zurückfallen. Bei den Hülsenfrüchten war ich aufgrund meiner Erfahrungen aus der Jugend vorsichtig, doch dieses Mal vertrug ich sie relativ gut. Ich bemerkte, dass meine Bauchkrämpfe verschwanden, dass ich mich gut fühlte. Ich fragte mich, wie das sein konnte? Selbst unter der Cortison-Therapie hatte ich mich nicht so gut vom Bauch her gefühlt.

Endlich die richtige Ernährung gefunden?

Ich setzte mich eines Nachmittags im Frühjahr 2014 an den Computer und versuchte herauszufinden, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Morbus Crohn gibt. Dabei stieß ich auf einen Blogartikel, der mich zutiefst berührte: Morbus Crohn von Manuel Braun. Ich las mir seinen Bericht durch und konnte nicht glauben, was da stand. Er bestätigte nur das, was ich mir all die Jahren gedacht habe: Es gibt eine Ernährung für meine Krankheit. Und nicht nur für meine. Für zahlreiche andere auch.

Sofort recherchierte ich im Internet nach SCD und las die Bewertungen zu dem Buch auf Amazon durch. Wieso hatte mein Gastroenterologe, der auch noch Ernährungsmediziner ist, mir nichts von dieser Diät erzählt? Heute weiß ich, dass er die Diät nicht kennt. Großes Interesse an der Diät hat er auch nicht gezeigt, als ich ihm davon berichtet habe. Ich vermute, dass er mit mir als Patientin nichts anfangen kann: Ich habe zwar eine diagnostizierte chronische Krankheit, doch ich bin ein milder Fall. Ich habe weder schlimme und lang andauernde Schübe, noch gehe ich 15 Mal am Tag aufs Klo. Er bezeichnet meine heftigen Bauchschmerzen als “Magenverstimmung“. Immunsuppressiva hier einzusetzen wäre viel zu aggressiv, Cortison schießt auch übers Ziel hinaus. Ich hatte den Eindruck, dass er nicht wusste, was er mit mir als Patientin anfangen soll.

Es dauerte bei mir noch über ein Jahr, bis ich endlich die Motivation hatte, diese Diät auch umzusetzen. Ich ernährte mich auch nach unserer Hochzeit im Sommer 2014 überwiegend gluten- und getreidefrei, war jedoch liberaler, was Zucker und Milchprodukte anging. Zu Beginn ging das auch noch gut. Doch so langsam verfiel ich wieder in alte Essgewohnheiten zurück. Immer wieder dachte ich daran, die SCD doch mal auszuprobieren und immer wieder schob ich es auf.

Für eine Ernährungsumstellung braucht es Motivation

Mein größter Antrieb war leider – mal wieder – der Schmerz und eine damit verbundene Angst vor Komplikationen und erneuter Medikamenteneinnahme. Nach einem Urlaub im September 2015, bei dem ich mich bei Zucker-, Getreide- und Milchprodukten überhaupt nicht mehr zurückhielt, kamen die lange nicht dagewesenen Schmerzen zurück. Ich wusste, dass ich nun die Wahl hatte, etwas an meiner Ernährung zu ändern oder meinen Gastroenterologen aufzusuchen, der mir sicher wieder Medikamente verschreiben würde. Ich entschied, es mit der SCD zu versuchen. Sollte es nicht besser werden, kann ich noch immer zu ihm hingehen. Also startete ich im Oktober 2015 mit der SCD.

Zu Beginn machte ich einige Fehler, die ich dir mit diesem Blog ersparen möchte. So ließ ich die Intro-Diät aus und backte mir gleich ein Mandelbrot – das ist für einen gestressten Magen und Darm überhaupt nicht gut. Ich stürzte mich auch gleich auf den Joghurt und auf alle „erlaubten“ Lebensmittel. Meine Erkenntnis heute ist, dass es besser ist, langsam anzufangen. Das Essen läuft nicht weg und wenn es dem Darm besser geht, kann man es auch mehr genießen.

aleksandra-2013-2016Seit der Ernährungsumstellung auf die SCD fühle ich mich „gesund“. Heute, nach über neun Monaten SCD kann ich sagen, dass es das Beste ist, was ich meinem Körper „antun“ konnte. Meine Blutwerte sind in Ordnung. Nach jahrelangen Beschwerden hatte ich quasi von heute auf morgen ein vollkommen anderes Bauchgefühl. Die täglichen Krämpfe während und nach dem Essen waren weg. Der schleimig-breiige Stuhl hatte eine normale Konsistenz angenommen. Die übelriechenden Gase waren verschwunden. Und das alles nur, weil ich mich anders ernährte? Manchmal kann ich es nicht fassen, dass es wirklich so „einfach“ sein sollte. Und ich bin traurig, dass es Jahre gebraucht hat, bis ich an diesem Punkt angekommen war und dass es vielen Menschen genauso geht und sie vermutlich nie davon erfahren werden, weil die (meisten) Ärzte nur an ihre Medikamente glauben und den Faktor Ernährung völlig außer Acht lassen.

Die Quintessenz aus über 15 Jahren Darmproblemen

Ich erkannte drei wichtige Zusammenhänge, die stimmen mussten, damit es mir und meinem Darm gut geht:

  • Die richtige Ernährung unterstützt und fördert den Heilungsprozess.
  • Medikamente, Probiotika und Nahrungsergänzungsmittel sind wichtige Helfer bei Linderung von Schmerzen und Entzündungen, der Anregung und Regulierung der Darmtätigkeit und zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen.
  • Stress hat einen großen Einfluss auf Magen und Darm. Richtiger Umgang mit Stress ist erlernbar und wichtig.

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Vielleicht wird es dir auch so ergangen sein wie mir. Du hast einen langen Weg mit Fehldiagnosen hinter dir, wurdest vielleicht auch als wehleidig bezeichnet, bist auf Unverständnis gestoßen und stolperst dann zufällig über ein “Heilmittel“. Alles macht plötzlich einen Sinn.

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